B2B-Shop: Ratgeber, Funktionen, Systeme & Kosten

Der B2B-Shop ist längst keine Kür mehr, sondern Pflicht für Hersteller, Großhändler und industrielle Anbieter. Wer seinen Geschäftskunden heute keinen digitalen Bestellkanal bietet, verliert Marktanteile an Wettbewerber, die genau das tun. Doch ein B2B-Shop ist weit mehr als ein B2C-Shop mit Firmenlogin – die Anforderungen sind komplexer, die Prozesse anspruchsvoller, die Investitionen höher. In diesem Ratgeber zeigen wir Dir, was einen modernen B2B-Shop ausmacht, welche Funktionen unverzichtbar sind, welche Shopsysteme sich für welche Anforderungen eignen, mit welchen Kosten Du rechnen musst und welche Best Practices sich in unseren Projekten bewährt haben.

Was ist ein B2B-Shop?

Ein B2B-Shop (Business-to-Business) ist eine Online-Plattform, über die Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen an andere Unternehmen verkaufen. Im Gegensatz zum klassischen B2C-Shop, der sich an Endverbraucher richtet, bedient ein B2B-Shop die spezifischen Anforderungen von Geschäftskunden – also Einkäufer, Wiederverkäufer, Industriekunden oder Filialisten.

Diese Kunden bestellen in der Regel höhere Volumina, erwarten individuell verhandelte Preise, benötigen Rechnungskauf oder andere flexible Zahlungsmodelle und möchten ihre Bestellungen effizient in bestehende Prozesse integrieren. Ein guter B2B-Shop bildet diese Komplexität ab, ohne dass die Bedienung darunter leidet.

Abgrenzung B2B-Shop vs. B2C-Shop

Auf den ersten Blick wirken B2B- und B2C-Shops ähnlich – beide zeigen Produkte, beide haben Warenkorb und Checkout. Im Detail unterscheiden sie sich aber grundlegend:

Kriterium B2B-Shop B2C-Shop
Zielgruppe Geschäftskunden, Einkäufer Endverbraucher
Preisgestaltung Kundenspezifisch, Staffelpreise Einheitspreise für alle
Bestellvolumen Hoch, oft wiederkehrend Niedrig, sporadisch
Preisanzeige Netto (oft nach Login) Brutto inkl. MwSt.
Zahlungsmethoden Rechnung, Lastschrift, Kreditrahmen Kreditkarte, PayPal, Sofortüberweisung
Nutzerstruktur Multi-User mit Rollen und Freigaben Einzelnutzer
Kaufentscheidung Rational, mehrstufig, fachlich Oft emotional, schnell
Integration ERP, CRM, PIM, DAM zwingend Optional

Mehr Hintergrund zu B2C findest Du in unserem Beitrag zu B2C im E-Commerce.

Welche Arten von B2B-Shops gibt es?

Nicht jeder B2B-Shop verfolgt dasselbe Geschäftsmodell. Je nach Rolle Deines Unternehmens in der Wertschöpfungskette ergeben sich unterschiedliche Ausprägungen:

  • Hersteller-Shop: Produzenten verkaufen direkt an gewerbliche Abnehmer – häufig im Rahmen einer D2C-Strategie, die parallel den Endkunden adressiert.
  • Großhandels-Shop: Klassischer Distributor verkauft an Einzelhändler, Gastronomie oder weiterverarbeitende Betriebe.
  • Reseller- und Händler-Portal: Geschlossener Bereich für Vertragspartner, in dem Konditionen, Kataloge und Marketingmaterial zentral verfügbar sind.
  • Procurement-Plattform: Spezialisierter Beschaffungsshop, oft mit OCI-Anbindung an die ERP-Systeme der Großkunden.
  • Hybrid-Shop: Kombination aus B2B und B2C im selben System – Kunden sehen je nach Login unterschiedliche Sortimente und Preise.

Anforderungen an einen modernen B2B-Shop

Ein erfolgreicher B2B-Shop muss drei Anforderungsdimensionen gleichzeitig erfüllen: funktional, technisch und rechtlich. Wer eine dieser Ebenen unterschätzt, baut ein System, das in der Praxis schnell an Grenzen stößt.

Funktionale Anforderungen

Hier entscheidet sich, ob Dein Shop die täglichen Anforderungen Deiner Einkäufer wirklich abbildet:

  • Kundenspezifische Preise und Staffelpreise: Jeder Kunde sieht seine individuell verhandelten Konditionen.
  • Schnellbestellung: Direkteingabe von Artikelnummern oder CSV-Upload für Großbestellungen.
  • Wiederbestellungen: Historie früherer Bestellungen mit „Erneut bestellen"-Funktion.
  • Angebotsmanagement: Angebotsanfragen, Verhandlungsprozess und Übernahme in den Checkout.
  • Multi-User-Accounts: Mehrere Mitarbeitende pro Kundenkonto mit unterschiedlichen Rollen und Rechten.
  • Freigabe-Workflows: Budgetgrenzen, Genehmigungsketten und Vier-Augen-Prinzip für größere Bestellungen.
  • Kundenindividuelle Sortimente: Sichtbarkeit von Artikeln nach Kundengruppe, Region oder Vertrag.
  • Self-Service-Bereich: Rechnungen, Lieferscheine, Retouren und Servicetickets selbst einsehen und auslösen.

Technische Anforderungen

Ein B2B-Shop steht selten allein, sondern muss sich nahtlos in Deine bestehende Systemlandschaft einfügen:

  • ERP-Anbindung: Lagerbestände, Preise, Kundendaten und Aufträge fließen bidirektional zwischen Shop und ERP (z. B. SAP, Microsoft Dynamics, Sage).
  • PIM-Integration: Zentrale Pflege aller Produktinformationen in einem PIM-System wie Akeneo.
  • DAM-Integration: Bilder, Datenblätter, Videos und Dokumente kommen aus einem zentralen DAM-System wie TESSA.
  • API-First-Architektur: Offene Schnittstellen für Marktplätze, Logistik, Buchhaltung und Drittsysteme.
  • Performance und Skalierbarkeit: Auch bei mehreren tausend Produkten und gleichzeitigen Nutzersessions stabil und schnell.
  • Mobile First: Außendienst und Einkäufer arbeiten zunehmend mobil – der Shop muss auf Smartphone und Tablet einwandfrei funktionieren.

Damit diese Integrationen sauber funktionieren, setzen wir in unseren Projekten häufig unsere eigene Oskar Middleware ein, die als zentrale Drehscheibe zwischen den Systemen agiert.

Rechtliche Anforderungen

Im B2B-Umfeld gelten andere Spielregeln als im Endkundengeschäft – das beginnt bei der Preisanzeige und endet bei der Archivierung:

  • Netto-Preisanzeige: Geschäftskunden sehen Preise grundsätzlich netto, oft erst nach Login.
  • Gewerbenachweis: Registrierung mit Prüfung der USt-IdNr. oder Handelsregisterauszug.
  • GoBD-konforme Belegarchivierung: Rechnungen und Bestellbestätigungen revisionssicher speichern.
  • Kein Widerrufsrecht: Im B2B entfällt das gesetzliche Widerrufsrecht – die AGB müssen das sauber regeln.
  • Datenschutz und Compliance: DSGVO-Konformität auch bei umfangreichen Kundendaten und Außendienst-Zugriffen.

Die wichtigsten Funktionen eines B2B-Shops im Detail

Wir schauen uns die Kernfunktionen genauer an – denn hier entscheidet sich, ob Dein Shop für Einkäufer ein Werkzeug oder ein Hindernis ist.

Personalisierte Preise und Kundengruppen

Im B2B gibt es selten den einen Preis. Stattdessen arbeiten die meisten Unternehmen mit kundenindividuellen Konditionen, Rahmenverträgen und Sonderkonditionen. Ein moderner B2B-Shop muss diese Komplexität abbilden können – idealerweise direkt aus dem ERP heraus. Jeder Kunde sieht nach dem Login genau die Preise, die für ihn gelten. Auch Staffelpreise, Aktionspreise und kampagnenbasierte Rabatte müssen pro Kundengruppe steuerbar sein.

Schnellbestellung und Wiederbestellungen

Geschäftskunden wollen nicht klicken, sondern bestellen. Wer Artikel und Mengen schon kennt, soll sie direkt eingeben können – per Artikelnummer, Barcode-Scan, CSV-Upload oder über die Bestellhistorie. Eine gut umgesetzte Schnellbestellung reduziert die Bestellzeit auf einen Bruchteil und macht den Shop zum echten Effizienzwerkzeug.

Angebotsmanagement (Quote-to-Cash)

Größere B2B-Bestellungen entstehen oft nicht direkt im Warenkorb, sondern über einen Verhandlungsprozess. Der Kunde fragt ein Angebot an, der Vertrieb kalkuliert, gegebenenfalls geht das Angebot mehrfach hin und her – und am Ende soll das fertige Angebot per Klick in eine Bestellung umgewandelt werden. Diesen Quote-to-Cash-Prozess sollte Dein Shop nahtlos abbilden.

Multi-User und Freigabe-Workflows

In Unternehmen bestellt selten eine einzelne Person. Stattdessen arbeiten Einkauf, Fachabteilung und Geschäftsführung zusammen. Ein guter B2B-Shop erlaubt es, mehrere Nutzer unter einem Kundenkonto anzulegen, ihnen unterschiedliche Rollen zuzuweisen (Besteller, Genehmiger, Admin) und Bestellungen ab bestimmten Beträgen durch eine Freigabe laufen zu lassen.

Self-Service-Portal

Je mehr Deine Kunden selbst erledigen können, desto weniger Anfragen landen im Innendienst. Rechnungen herunterladen, Lieferscheine einsehen, Retouren anmelden, Servicetickets eröffnen, Stammdaten ändern – all das gehört in einen modernen Kundenbereich. Das spart Dir Personalkosten und steigert gleichzeitig die Kundenzufriedenheit.

B2B-Shopsysteme im Vergleich

Die Wahl des richtigen Shopsystems ist eine der wichtigsten Weichenstellungen Deines Projekts. Sie entscheidet über Funktionsumfang, Flexibilität, Kosten und nicht zuletzt über die Geschwindigkeit, mit der Du am Markt bist. Wir stellen Dir die sechs relevantesten Systeme für den B2B-Bereich vor.

Shopware 6

Als zertifizierte Shopware-Agentur ist Shopware unser bevorzugtes System für mittelständische B2B-Projekte. Mit der B2B-Suite und der Rule Builder Engine bietet Shopware out-of-the-box alle wichtigen Funktionen: kundenindividuelle Preise, Staffelrabatte, Schnellbestellung, Angebotsmanagement, Multi-User-Accounts und Freigabe-Workflows. Die Plattform ist API-First, lässt sich tief mit ERP, PIM und DAM verzahnen und ist sowohl self-hosted als auch in der Cloud verfügbar. Besonders überzeugend: das ausgereifte Ökosystem an Plugins und das aktive deutschsprachige Partnernetzwerk.

Adobe Commerce (Magento)

Adobe Commerce, vormals Magento, ist eine etablierte Enterprise-Plattform mit großem Funktionsumfang und globaler Verbreitung. Im B2B-Bereich liefert Adobe Commerce mit Features wie Company Accounts, Quote Management und Shared Catalogs einen guten Standard. Die Lizenz- und Hosting-Kosten sind allerdings deutlich höher als bei Shopware, und der Implementierungsaufwand ist erheblich. Adobe Commerce eignet sich vor allem für internationale Konzerne mit großen IT-Budgets.

Spryker

Spryker ist eine headless Commerce-Plattform aus Deutschland, die speziell für komplexe B2B- und Marktplatz-Szenarien entwickelt wurde. Die modulare Architektur erlaubt maximale Flexibilität, erfordert aber auch einen entsprechend hohen Entwicklungsaufwand. Spryker wird vor allem von Großunternehmen eingesetzt, die sehr individuelle Anforderungen haben und über ein starkes IT-Team verfügen.

Commercetools

Commercetools ist eine cloud-native, headless Commerce-Plattform mit MACH-Architektur (Microservices, API-first, Cloud-native, Headless). Sie richtet sich an Unternehmen, die ihre Customer Experience vollständig selbst gestalten wollen und dafür ein eigenes Frontend bauen. Die Stärke liegt in der Skalierbarkeit und Internationalisierung. Wer hingegen schnell und mit überschaubarem Budget live gehen möchte, ist hier in der Regel falsch aufgehoben.

Shopify Plus B2B

Shopify hat sein B2B-Angebot in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Mit Shopify Plus stehen mittlerweile B2B-Funktionen wie Company Accounts, kundenindividuelle Preise, Net-Payment-Terms und Quick Order zur Verfügung. Der große Vorteil: extrem schnelle Time-to-Market und einfache Bedienung. Die Grenzen zeigen sich, sobald komplexe ERP-Integrationen, individuelle Prozesse oder hohe Anforderungen an Self-hosted-Setups ins Spiel kommen. Wir haben das Thema im Beitrag Shopware vs. Shopify ausführlich beleuchtet.

SAP Commerce Cloud

SAP Commerce Cloud (ehemals Hybris) ist die Enterprise-Plattform für SAP-Kunden mit eng verzahnter ERP-Landschaft. Wenn Du bereits tief in der SAP-Welt bist, liegt die Wahl nahe – inklusive der entsprechenden Lizenz- und Betriebskosten. Für mittelständische Projekte ist SAP Commerce in der Regel überdimensioniert.

Shopsysteme auf einen Blick

Die folgende Übersicht hilft Dir bei der ersten Einordnung:

System Zielgruppe Hosting Time-to-Market Flexibilität
Shopware 6 Mittelstand bis Enterprise Self-hosted oder Cloud Mittel Sehr hoch
Adobe Commerce Enterprise, international Cloud oder On-Premise Lang Sehr hoch
Spryker Enterprise mit IT-Power Cloud Lang Maximal
Commercetools Enterprise, MACH-Setup Cloud-native Lang Maximal
Shopify Plus B2B KMU bis Mittelstand Cloud (SaaS) Kurz Mittel
SAP Commerce Enterprise mit SAP-ERP Cloud oder On-Premise Lang Hoch

Eine weiterführende Übersicht weiterer B2B-Shopsysteme findest Du im B2B-Shopsystem-Vergleich von OMR.

Was kostet ein B2B-Shop?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht – die Kosten hängen stark von Funktionsumfang, gewähltem System, Anzahl der Integrationen und Individualisierungsgrad ab. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen einmaligen Initialkosten und laufenden Betriebskosten.

Einmalige Kosten

Zu den einmaligen Kosten gehören:

  • Lizenzkosten: Bei Shopware fallen je nach Edition jährliche Lizenzgebühren an, bei Adobe Commerce oder SAP Commerce sind die Lizenzen deutlich höher angesetzt. Open-Source-Editionen wie Shopware Community oder Magento Open Source sind lizenzkostenfrei.
  • Konzeption und Design: UX-Konzept, Wireframes, Screendesign und Style Guide kosten typischerweise zwischen 10.000 € und 40.000 €.
  • Implementierung und Entwicklung: Setup des Shops, Anpassungen, B2B-Features, individuelle Funktionen.
  • Integrationen: Anbindung an ERP, PIM, DAM, CRM, Logistik – je nach System und Komplexität ein erheblicher Kostenblock.
  • Datenmigration: Übernahme von Produkt-, Kunden- und Bestelldaten aus Altsystemen.
  • Testing und Go-Live-Begleitung: Qualitätssicherung, Lasttests und Soft-Launch.

Laufende Kosten

Im Betrieb fallen unter anderem an:

  • Hosting und Infrastruktur: Server, CDN, Backups, Monitoring.
  • Lizenzen und SaaS-Gebühren: Jährliche Gebühren für Shopsystem, Plugins, externe Dienste.
  • Wartung und Updates: Sicherheits-Updates, Patches, Versionswechsel.
  • Weiterentwicklung: Neue Features, A/B-Tests, Optimierungen – meistens 10–20 % des Initialbudgets pro Jahr.
  • Support und Hosting-Vertrag: Reaktionszeiten, SLA, 24/7-Bereitschaft.

Drei typische Budget-Szenarien

Damit Du eine Hausnummer hast, hier drei realistische Budgetrahmen aus unseren Projekten:

Szenario Beispiel Initialkosten Laufend pro Jahr
Einstieg Standard-Setup auf SaaS-Basis, wenige Integrationen 15.000 – 40.000 € 10.000 – 25.000 €
Mittelstand Shopware 6 mit B2B-Suite, ERP- und PIM-Anbindung 60.000 – 150.000 € 30.000 – 80.000 €
Enterprise Headless Commerce, mehrere Mandanten, hoher Individualisierungsgrad 200.000 € aufwärts 100.000 € aufwärts

Diese Zahlen sind Richtwerte. Im Erstgespräch beleuchten wir Deinen konkreten Bedarf und nennen Dir einen belastbaren Rahmen.

PIM und DAM als Erfolgsfaktor im B2B-Shop

Ein B2B-Shop ist nur so gut wie die Daten, die er anzeigt. Geschäftskunden treffen ihre Kaufentscheidung auf Basis technischer Spezifikationen, Datenblätter, Zertifikate und exakter Produktinformationen. Wer hier mit lückenhaften oder veralteten Daten arbeitet, verliert Aufträge – nicht selten an Wettbewerber, die in puncto Produktqualität gar nicht besser sind, aber ihre Daten besser im Griff haben.

Ein PIM-System (Product Information Management) wie Akeneo übernimmt die zentrale Pflege aller produktbezogenen Daten: Beschreibungen, Attribute, Kategorisierungen, Übersetzungen, Klassifikationsstandards wie ETIM oder eCl@ss. Diese Daten fließen von dort automatisiert in den Shop, in Marktplätze, in Printkataloge und in alle weiteren Kanäle.

Ein DAM-System (Digital Asset Management) wie TESSA verwaltet alle Medien-Assets: Produktbilder, technische Zeichnungen, Datenblätter als PDF, Anwendungsvideos, Zertifikate. Der Shop greift direkt auf die richtige Version, im richtigen Format, in der richtigen Auflösung zu – ohne dass jemand händisch Dateien hochladen muss.

Die Kombination aus B2B-Shop, PIM und DAM ist in unseren Projekten der wichtigste Hebel für nachhaltigen Erfolg. Mehr dazu findest Du in unseren Beiträgen zur PIM-Agentur und zur DAM-Agentur.

B2B-Shop-Projekt: So gehst Du strukturiert vor

Ein B2B-Shop-Projekt ist kein Sprint, sondern ein strukturierter Prozess. Wer die einzelnen Phasen sauber durchläuft, vermeidet die typischen Stolperfallen, die in vielen Projekten am Ende richtig Geld kosten.

Phase 1 – Anforderungsanalyse

Am Anfang steht die Frage: Was muss der Shop können – und was nicht? Workshops mit Vertrieb, Einkauf, IT und Geschäftsführung legen fest, welche Prozesse digitalisiert werden, welche Systeme angebunden werden müssen und welche Kundenanforderungen Priorität haben. Das Ergebnis ist ein Lasten- oder Anforderungskatalog, der die Grundlage für alles Weitere bildet.

Phase 2 – Systemauswahl

Auf Basis der Anforderungen wird das passende Shopsystem ausgewählt. Wichtige Kriterien sind Funktionsumfang, Integrationsfähigkeit, Skalierbarkeit, Total Cost of Ownership und die Verfügbarkeit von Partnern und Know-how. In dieser Phase werden auch Entscheidungen zu PIM, DAM, ERP-Anbindung und Hosting getroffen.

Phase 3 – Konzeption und Design

UX-Konzept, Informationsarchitektur, Wireframes und Screendesign entstehen. Hier wird festgelegt, wie sich Einkäufer durch den Shop bewegen, wie sie schnell zur Bestellung kommen und wie der Self-Service-Bereich aufgebaut ist. Das Design folgt den B2B-spezifischen Anforderungen – also weniger Marketing-Optik, mehr Effizienz und Übersicht.

Phase 4 – Umsetzung und Integration

Jetzt wird gebaut: Shop aufsetzen, Templates umsetzen, B2B-Features konfigurieren, individuelle Funktionen entwickeln, Integrationen zu ERP, PIM, DAM und weiteren Systemen herstellen. Parallel laufen Datenmigration und Tests. Diese Phase ist die längste – aber auch die, in der sich gute Vorarbeit aus den ersten Phasen auszahlt.

Phase 5 – Go-Live und kontinuierliche Optimierung

Nach umfangreichen Tests, Lasttests und einer Soft-Launch-Phase geht der Shop live. Mit dem Go-Live beginnt aber erst die eigentliche Arbeit: Performance-Monitoring, Conversion-Optimierung, neue Features, A/B-Tests, Erweiterungen. Ein B2B-Shop ist nie „fertig", er entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Best Practices aus der Projektpraxis

Aus zahlreichen B2B-Shop-Projekten haben sich einige Erfolgsmuster herauskristallisiert, die wir Dir mitgeben möchten:

  • Mit MVP starten, nicht mit der eierlegenden Wollmilchsau: Lieber in sechs Monaten mit 80 % der Funktionen live gehen als in zwei Jahren mit 100 %. Die fehlenden 20 % lernst Du im echten Betrieb sowieso besser kennen.
  • Daten zuerst, Shop danach: Wer mit unsauberen Produktdaten startet, baut auf Sand. Erst PIM und DAM aufsetzen, dann den Shop dranbauen.
  • Einkäufer testen lassen: Frühzeitig echte Geschäftskunden in Usability-Tests einbinden. Was Marketing schön findet, ist im Einkaufsalltag oft nicht praktikabel.
  • Schnellbestellung priorisieren: Die häufigste Tätigkeit im B2B-Shop ist die Wiederbestellung bekannter Artikel – diese Funktion muss reibungslos sitzen.
  • Vertrieb und Außendienst mitnehmen: Der Shop ist kein Ersatz für Beziehungspflege, sondern ein Werkzeug für den Vertrieb. Wer den Außendienst gegen den Shop stellt, verliert beide.
  • Performance ist Pflicht: B2B-Einkäufer haben keine Geduld. Ladezeiten über drei Sekunden sind ein Conversion-Killer.
  • Mobile First auch im B2B: Außendienstler bestellen am Tablet, Werkstattleiter am Smartphone. Wer nur am Desktop denkt, denkt zu kurz.

Typische Fehler beim Aufbau eines B2B-Shops

Genauso wichtig wie die Best Practices sind die Anti-Patterns – die typischen Stolperfallen, die Projekte ausbremsen oder ganz scheitern lassen:

  • B2C-Shop für B2B-Zwecke missbrauchen: Ein Konsumenten-Shop mit „Firmenkunden-Login" ist kein B2B-Shop. Die Anforderungen sind grundverschieden.
  • Anforderungen unterschätzen: „So komplex kann das doch nicht sein" – doch, ist es. Wer ohne saubere Anforderungsanalyse startet, baut am Bedarf vorbei.
  • ERP-Integration verschieben: Wer „erst mal ohne ERP-Anbindung" startet, baut sich später eine teure Doppelarbeit ins Haus.
  • Datenpflege vernachlässigen: Unvollständige Produktdaten, fehlende Bilder, falsche Preise – das kostet sofort Vertrauen und damit Umsatz.
  • Den eigenen Vertrieb ignorieren: Wenn Außendienst und Innendienst den Shop als Bedrohung wahrnehmen, sabotieren sie ihn aktiv oder passiv.
  • Zu viele individuelle Sonderwünsche: Jede Anpassung kostet doppelt – einmal in der Entwicklung und einmal bei jedem Update. Standard nutzen, wo immer es geht.
  • Keine Vision für die Weiterentwicklung: Ein B2B-Shop, der nach Go-Live brach liegt, verliert schnell an Relevanz. Plane Budget für die kontinuierliche Optimierung ein.

Fazit

B2B-Shops als Erfolgskonzept

Ein B2B-Shop ist heute kein optionales Vertriebsinstrument mehr, sondern ein zentraler Baustein im Geschäftskundengeschäft. Er automatisiert Bestellprozesse, entlastet den Vertrieb, ermöglicht Skalierung und macht Dein Unternehmen für moderne Einkäufergenerationen überhaupt erst attraktiv. Wer hier nicht investiert, verliert mittelfristig Marktanteile.

Entscheidend für den Erfolg sind drei Dinge: klare Anforderungsanalyse, das passende Shopsystem und exzellente Produktdaten. Die Kombination aus einem leistungsfähigen B2B-Shop, einem zentralen PIM-System und einem professionellen DAM ist in unseren Projekten der wichtigste Hebel für nachhaltigen Erfolg – sowohl in Bezug auf Conversion als auch in Bezug auf Effizienz im Backend.

Wenn Du gerade vor der Entscheidung stehst, einen B2B-Shop einzuführen oder einen bestehenden Shop abzulösen, sprich uns an. Als zertifizierte Shopware-Agentur mit Spezialisierung auf PIM und DAM begleiten wir Dich von der Anforderungsanalyse bis zum Go-Live – und darüber hinaus.

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