E-Commerce Software entscheidet darüber, wie schnell Du online verkaufen kannst, was Dich der Betrieb monatlich kostet und wo Du in einigen Jahren technisch stehst. Der deutsche E-Commerce-Markt wächst weiter, und die Zahl verfügbarer Plattformen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wer eine neue Plattform auswählt oder ein bestehendes System ablöst, hat heute mehr Optionen als je zuvor – aber auch komplexere Entscheidungen. SaaS oder Open Source? Monolith oder Headless? KI-Funktionen jetzt schon einkaufen oder warten? Dieser Beitrag liefert Dir einen Marktüberblick, einen Vergleich der relevanten Shopsysteme und eine klare Entscheidungshilfe für Deine Anforderungen.
Eine E-Commerce Software ist die technische Basis Deines Online-Shops. Sie sorgt dafür, dass Produkte präsentiert werden, Bestellungen entgegengenommen, Zahlungen abgewickelt, Bestände gesteuert und Kunden betreut werden. Im Kern besteht eine E-Commerce-Landschaft heute aus mehreren Bausteinen, die zusammenarbeiten müssen:
Je mehr Produkte, Märkte und Vertriebskanäle Du bedienst, desto wichtiger wird das Zusammenspiel dieser Systeme. Eine moderne E-Commerce-Plattform allein löst das Datenproblem nicht – sie muss sich sauber in Deine bestehende Infrastruktur einfügen.
Die jährliche Studie von EHI und ecommerceDB liefert das verlässlichste Bild des deutschen Marktes. Unter den umsatzstärksten B2C-Onlineshops in Deutschland führt Shopware das Ranking seit mehreren Jahren in Folge an. Auf den weiteren Plätzen folgen Salesforce Commerce Cloud, Shopify und Adobe Commerce (ehemals Magento). Bemerkenswert: Shopify hat seinen Marktanteil in Deutschland kontinuierlich ausgebaut und auch im Enterprise-Segment Boden gutgemacht. Verloren haben dagegen ältere Enterprise-Suiten wie SAP Commerce Cloud und HCL Commerce sowie OXID eShop, dessen Anteil unter den Top-Shops in den letzten Jahren spürbar gesunken ist.
Drei Plattform-Kategorien haben sich am Markt durchgesetzt:
Wichtig zu wissen: Die Grenzen verschwimmen. Shopware und Adobe Commerce bieten heute Headless-APIs an, Shopify Plus lässt sich mit dem Hydrogen-Framework Headless betreiben, und commercetools hat mit Frontastic eine eigene Frontend-Lösung im Angebot. Die Frage „Monolith oder Headless?" lässt sich nicht mehr pauschal beantworten.
Wir konzentrieren uns auf die Systeme, die im deutschen Mittelstand und Enterprise-Segment relevant sind. Reine Baukasten-Lösungen für Hobby-Shops bleiben außen vor – die sind in der Regel nicht der Diskussionsgegenstand bei einem Implementierungs- oder Replatforming-Projekt.
Marktführer in Deutschland, modulare Architektur auf Symfony-Basis, API-first und mit starkem DACH-Footprint. Shopware bietet vier Editionen: Die Community Edition ist kostenlos und Open Source unter MIT-Lizenz. Allerdings gilt mittlerweile eine Fair Usage Policy – Shops ab einer bestimmten GMV-Schwelle müssen auf einen kommerziellen Plan wechseln, um Zugang zu Shopware Account und Store zu behalten. Die kommerziellen Pläne sind Rise (deckt rund 80 % der B2C-Anforderungen ab), Evolve (inklusive nativer B2B-Komponenten) und Beyond (Enterprise mit dediziertem Support). Stärken: starke Erlebniswelten für Content Commerce, KI-Funktionen im Backend, Flow Builder für No-Code-Automatisierung, breites Agenturnetzwerk im DACH-Raum.
Der kanadische Anbieter hat sich auch in Deutschland etabliert. Shopify bietet eine extrem kurze Time-to-Market, ein riesiges App-Ökosystem und macht Infrastruktur-Themen für Dich obsolet. Für Direct-to-Consumer-Marken und schlanke B2C-Sortimente ist Shopify eine der schnellsten Lösungen am Markt. Shopify Plus richtet sich an Enterprise-Kunden mit höheren Volumina und bietet erweiterte Skripting- und Multi-Shop-Funktionen sowie Hydrogen für Headless-Setups. Schwächen: Anpassungstiefe bleibt begrenzt im Vergleich zu Open Source, Transaktionsgebühren bei Nicht-Nutzung von Shopify Payments, DSGVO-Themen erfordern Sorgfalt durch das nordamerikanische Hosting.
Das WordPress-Plugin ist die meistinstallierte E-Commerce-Software weltweit – allerdings deutlich überwiegend bei kleinen Shops. Vorteil: niedrige Einstiegshürde, große Plugin-Auswahl, sehr günstige Lizenzbasis. Nachteil: Die Sicherheitslage durch ein großes Plugin-Ökosystem ist anspruchsvoll, die Skalierung bei großen Sortimenten stößt an Grenzen, und für DSGVO-konformen Betrieb braucht es zusätzliche Arbeit. Für Hersteller mit professionellen Anforderungen ist WooCommerce in der Regel nicht die richtige Wahl.
Deutsches Open-Source-System mit starker B2B-Tradition. OXID hat in den letzten Jahren Marktanteile verloren, ist aber in bestimmten Branchen – Industrie, technischer Großhandel, Ersatzteile – weiterhin gut aufgestellt. Die Plattform ist robust, gut mit ERP-Systemen integrierbar und bietet eine Enterprise Edition mit Support. Wer bereits auf OXID läuft und mit der Plattform zufrieden ist, hat keinen akuten Replatforming-Zwang. Für Neuprojekte ohne Bestandsgründe lohnt sich aber ein Blick auf Shopware oder die Composable-Alternativen.
Die ehemalige Open-Source-Größe gehört zu Adobe und ist heute eine Enterprise-Plattform mit Open-Source-Genen. Stärken liegen in der Mehrshop- und Mehrsprachen-Fähigkeit, in der tiefen Anpassbarkeit und in der Integration in die Adobe Experience Cloud. Adobe Commerce ist mächtig, aber pflegeintensiv – die Total Cost of Ownership liegt regelmäßig im sechsstelligen Bereich pro Jahr. Sinnvoll für internationale Konzerne mit großen Sortimenten und ohnehin vorhandenem Adobe-Stack.
Made in Germany, Pionier der MACH-Architektur (Microservices, API-first, Cloud-native, Headless). commercetools ist eine reine Backend-Plattform – das Frontend baust Du selbst oder mit Frontend-Frameworks wie Frontastic. Ideal für Konzerne, die mehrere Marken, Kanäle und Geschäftsmodelle (B2B, B2C, D2C, Marktplatz) auf einer Datenbasis betreiben wollen. Sehr hohe Flexibilität, dafür aber auch hohe Investitionen in Entwicklung und Integration.
Ebenfalls aus Deutschland, ebenfalls Composable Commerce. Spryker wird im Gartner Magic Quadrant regelmäßig als „Visionary" eingestuft und ist besonders im B2B-Segment stark. Die modulare Architektur lässt sich auf Marktplatz-, B2B- und B2C-Szenarien gleichermaßen anwenden. Kunden wie ALDI SÜD, Siemens Healthineers oder Hardeck zeigen die Bandbreite. Auch hier gilt: hohes Investitionsniveau, Implementierungszeiten von mehreren Monaten sind realistisch.
Die Walldorfer Enterprise-Lösung integriert sich nahtlos in den SAP-Stack (S/4HANA, SAP CX). Für Unternehmen, die bereits stark auf SAP setzen und integrierte Prozesse von Beschaffung bis Vertrieb brauchen, bleibt SAP Commerce eine Option. Im Marktanteil verliert sie allerdings kontinuierlich an Boden – die jüngere Generation der Composable-Plattformen ist agiler und in der Regel deutlich kostengünstiger im Betrieb.
Die Wahl der richtigen Plattform hängt von vier Kernfragen ab: Geschäftsmodell, Sortimentstiefe, internationale Anforderungen und vorhandene IT-Ressourcen. Wir nutzen bei EIKONA Media folgende Heuristik, um Kunden in der Vorauswahl zu unterstützen.
Wenn Du wenige Produkte in vielen Varianten verkaufst und schnell starten willst, ist Shopify meist die beste Wahl. Kein Hosting-Aufwand, planbare Kosten, schneller Launch. Sobald Du allerdings auf komplexere Konfiguratoren, tiefe ERP-Integration oder hochindividuelle Checkout-Prozesse angewiesen bist, stößt Shopify an Grenzen. Dann lohnt sich der Blick auf Shopware Community oder Rise.
Hier liegt aus unserer Sicht der Sweet Spot von Shopware. Die Plattform bietet ausreichend Tiefe für individuelle Anforderungen, ein großes Agenturnetzwerk im DACH-Raum, und mit Rise oder Evolve einen klar kalkulierbaren Lizenzrahmen. Wenn ein PIM- oder DAM-Anschluss nötig ist, lässt sich Shopware über offene APIs sauber integrieren – wir setzen dafür häufig Akeneo PIM, TESSA DAM und unsere OSKAR Middleware ein. Wer aus Bestandsgründen bei OXID bleibt, kann ebenfalls professionell weiterarbeiten – ein Wechsel ist hier kein Selbstzweck.
Wenn Du mehrere Shops mit gemeinsamer Datenbasis betreibst, in mehreren Märkten unterwegs bist oder B2B-Prozesse mit Freigaben, kundenspezifischen Preisen und Punchout abbilden willst, kommen Composable-Plattformen ins Spiel. commercetools und Spryker sind hier die führenden Optionen aus Deutschland, Adobe Commerce die internationale Alternative. Der Investitionsbedarf ist deutlich höher als bei klassischen Shopsystemen – sechs- bis siebenstellige Implementierungsbudgets sind nicht ungewöhnlich. Dafür bekommst Du Flexibilität, die andere Architekturen schlicht nicht bieten.
Wenn Du als Hersteller über mehrere Vertriebskanäle gehst – eigener Shop, Marktplätze, Händlernetz, Konfiguratoren für Partner – steht die Datenbasis im Vordergrund. Hier ist die Plattform-Wahl fast nachrangig gegenüber der Frage, wie Du Produktdaten zentral pflegst und auf Kanäle verteilst. Ein PIM ist Pflicht, ein DAM in den meisten Fällen ebenfalls. Das Shopsystem ist dann ein Kanal unter mehreren, nicht das Zentrum der Architektur.
Drei Entwicklungen prägen den E-Commerce-Software-Markt aktuell spürbar:
Aus über 600 Projekten in 20 Jahren haben wir bei EIKONA Media gelernt, dass die Lizenzkosten selten der entscheidende Faktor sind. Wichtiger sind diese Aspekte:
Die richtige Plattform hängt von Deinem Geschäftsmodell, Deinem Sortiment, Deinen Wachstumsplänen und Deiner internen IT-Aufstellung ab. Shopify ist die schnellste Option für schlanke B2C-Setups, Shopware der Mittelstands-Allrounder mit der größten Community in Deutschland, OXID eine solide Bestandslösung in spezifischen B2B-Branchen, und commercetools oder Spryker die richtige Wahl für komplexe Multi-Brand- oder Composable-Szenarien. Wer eine fundierte Vorauswahl will, sollte vor der Software-Diskussion erst die eigenen Anforderungen sauber dokumentieren – das spart später sechsstellige Folgekosten.
Wir bei EIKONA Media begleiten Dich bei dieser Auswahl ergebnisoffen. Wir haben Shopware-, OXID- und Headless-Projekte realisiert, kombiniert mit Akeneo PIM, TESSA DAM und individuellen Schnittstellen über unsere OSKAR Middleware. Sprich uns gerne an, wenn Du eine neutrale Einschätzung zu Deiner Plattform-Strategie suchst.